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Kommen und Gehen

„Zusätzliche Ortstafeln mit anderen Schriftsystemen“

Die Idee

Im Kulturhauptstadtjahr 2009 wird Linz durch die Aufstellung außergewöhnlicher Zeichen die Blicke auf sich ziehen. An allen stark frequentierten Ortseinfahrten - die Linz mit den angrenzenden Gemeinden verbinden – ergänzt Social Impact die bestehenden Ortstafeln jeweils mit einer neuen zusätzlichen Ortstafel, die das Wort „Linz“ in einer anderen Sprache und einer anderen Schrift zeigt. Diese zusätzlichen – für die Mehrheitsgesellschaft - anderssprachigen Tafeln sind ein Zeichen der Wertschätzung und eine Begrüßung aller BesucherInnen der Kulturhauptstadt zugleich.

Die verwendeten Schriften machen die Vielfalt und Pluralität aller in Linz wohnhaften Menschen sichtbar.

Z.B: Chinesisch, Singhalesisch, Griechisch, Armenisch, Laotisch, etc…….

Das Projekt erzeugt bei den BetrachterInnen einen gewünschten Überraschungseffekt, der das Augenmerk unweigerlich auf die Intentionen des Projektes lenkt. Durch die Ähnlichkeit mit den Originalen wird ein deutliches Zeichen von Weltoffenheit und Internationalität an alle BesucherInnen von Linz gesendet. Andererseits wird aber durch das offensive Agieren mit Mehrsprachigkeit jene demokratische Grundhaltung eingefordert, die in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens wünschenswert und nötig wäre.

Das Projekt verschweigt nicht die rechtlichen Diskriminierungen von MigrantInnen, sondern bietet Anstoß zu angeregten Diskussionen. Dazu wird der gesellschaftspolitische Diskurs mit der Linzer Bevölkerung gesucht.

„Kommen und Gehen“ ist also nicht nur Zeichen der Wertschätzung für alle in Linz wohnhafte Menschen sondern auch ein Testfall, wie weltoffen die Mehrheit der LinzerInnen als GastgeberInnen Europas tatsächlich sind. 

Infragestellen von physischen Grenzen als charakteristisches Merkmal von „Kommen und Gehen“

Charakteristisch für das Projekt „Kommen und Gehen“ ist das „Infragestellen“ von gedachten und gezogenen Grenzen.

Grenzen sind historisch gewachsen Konstrukte die immer wieder durch unterschiedliche Einflüsse, wie beispielsweise Kriege und Kämpfe um Vormachtstellungen, starken Veränderungen ausgesetzt waren. Diese gesellschaftlichen Veränderungen sind auch in der Etymologie und der Geschichte der Schrift bis heute erkennbar. So können Sprachen ganz allgemein nicht in nationale Grenzen gepresst werden, sie beziehen sich eher auf Regionen und gesellschaftliche, soziale oder kulturelle Gruppen.

An dieser Stelle kann eine Parallele zu den bestehenden Ortstafeln gezogen werden. Die Aufstellung von Ortstafeln richtet sich nicht nach der unmittelbaren Stadtgrenze von Linz, sondern nach dem Ende des bebauten Gebietes der Stadt. In unserem Sprachgebrauch findet sich nicht ohne Grund der Begriff der „Sprachbarriere“. So versteht sich das Projekt „Kommen und Gehen“ auch als Anstoß Grenzen und Barrieren zu überdenken und Neues zuzulassen.

Schriften - Symbole für kulturelle Pluralität

An der Vielfalt der – sonst in der Öffentlichkeit unsichtbaren – Schriften, die das Wort „Linz“ in geschriebener Sprache darstellen, werden die kulturellen Pluralitäten der Stadt sichtbar. Alle Schriften, in denen das Wort „Linz“ geschrieben wird, sind in Linz durch eine oder mehrere Sprachen mehr oder weniger dominierend vertreten.

Ausgangspunkt für die Auswahl der Schriften bildet das Melderegister der in Linz ansässigen Nationalitäten. Die Endgültige Auswahl der Schriften orientiert sich jedoch nicht an nationalen Grenzen, sondern an weitaus vielschichtigeren Kriterien, losgelöst von prozentuellen Berechnungen gesellschaftlicher Minderheiten.

Gesellschaftliche Bedeutung des Projektes

Der Kontakt und der Austausch mit unterschiedlichen Öffentlichkeiten ist für Social Impact ein zentraler Faktor jeglicher künstlerischen Auseinandersetzung. Bei Kommen und Gehen werden dazu Identifikationsmerkmale der LinzerInnen thematisiert, und diskutiert. Die Diskussion soll über „tradierte“ Identifikationsmerkmale hinaus gehen und nicht bei einer Identifikation durch die Nationalität oder Herkunft stehen bleiben Identität beinhaltet Fragen wie z.B. ob ein individuelles und gesellschaftliches Lebensgefühl zur Identitätsbildung beitragen kann, welche Einflüsse die gelebte Kultur und Gesellschaftsstruktur darauf hat, und durch welche geschichtlichen Ereignisse – oftmals unbewusste – gesellschaftliche Identitäten bis heute mitgeprägt werden (bspw. durch die KuK-Monarchie oder durch die NS-Erziehung…..).

Im Laufe des Jahres 2009 werden noch unterschiedliche Interaktionsformen und Partizipationsmöglichkeiten das Projekt verbreitern und auch Schlaglichter werfen auf die gesellschaftliche und politische Diskriminierung von Mensch mit Migrationshintergrund in Österreich.

Durch die Aufstellung der zusätzlichen Ortsafeln werden die PassantInnen aufgefordert über „Althergebrachtes“ nachzudenken und jeden Tag aufs Neue Grenzen zu überdenken und Kategorien wie "das Fremde"  zu hinterfragen.